in der Walpurgisnacht am 30. April, Kreuzbergstraße Ecke Katzbachstraße, 10965 Berlin
Um 19 Uhr werden die 3 Türen am Fuße des Viktoriaparks für Euch aufgehen. Gegen 20 Uhr geht es dann mit den Programmpunkten los.
Kommt wann ihr wollt, geht wann ihr wollt. Es wird einiges auf die Ohren und Augen geben. Dafür, dass die Kehle feucht bleibt und der Sabber fließt, ist gesorgt.
Wir freuen uns auf Euch und auf uns.
NIE
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on Walpurgisnacht on 30 April, Kreuzbergstraße corner Katzbachstraße, 10965 Berlin
At 7 pm the 3 doors at the foot of Viktoriapark will open for you. The programme will start at around 8 pm.
Come when you want, leave when you want. There will be plenty to feast your ears and eyes on. We will make sure that your throat stays moist and your drool flows. We look forward to seeing you and us.
NIE
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Vor der einen steht just in diesem Moment ein Mitglied des NIE Theaters und ist emsig damit beschäftigt mit Beize und einem Spachtel Farbe zu entfernen, um die darunterliegenden Fliesen freizulegen. Diese Wand befindet sich in Berlin Kreuzberg in einer ehemaligen öffentlichen Toilette imViktoriapark. Dort eröffnet das NIE Theater am 30. April seine neue Spielstätte.
Die andere Wand versperrt den Zugang zu einem Theater. Man sieht dieser Wand an, wie sie hastig, in Sorge um eine verfrühte Entdeckung, von den Maurern fast hingeworfen wurde. Vor ihr stehen vermutlich gerade Mitglieder des Teatro Oficina in São Paulo. In den frühen Morgenstunden des achten Februars mauerten Bauarbeiter die Pforten am hinteren Ende ihres Saals zu. Es ist das jüngste Glied in einer sich bereits Jahre hinziehende Kette von Auseinandersetzungen zwischen dem Theater und dem Unternehmer und Fernsehmoderator Silvio Santos, einem der reichsten Brasilianer.
Das Teatro Oficina ist seit 1958 in dem Gebäude im Stadtteil Bixiga, das nach einem Brand von Lina Bo Bardi, den spezifischen theatralen Formen der Gruppe folgend, umgebaut wurde und nun kaum noch Ähnlichkeiten mit einem herkömmlichen Theaterhaus hat. Der Saal besteht aus einem langen, straßenähnlichen Raum, mit gerüstartigen Balustraden als Platz für die Zuschauer, die bis unter die hohen Decken ragen. Zu einer Seite öffnet sich der Raum über fast die Hälfte seiner Tiefe mit einer Glasfront nach draußen und über ein zurückfahrbares Dach nach oben. Die nun zugemauerten Pforten am hinteren Ende des Saals öffnen sich ebenfalls direkt vom Saal in die Umgebung. Die das Theater umgebende Brache ist seit den 1980er Jahren im Besitz von Silvio Santos, der neben einem Fernsehsender und einem Kosmetikunternehmen auch unzählige Immobilien besitzt. Dieser möchte dort mehrere 100 Meter hohe Wohntürme bauen. Damit würden jedoch nicht nur die, auch vom Teatro Oficina unterstützten, Pläne für einen neuen öffentlichen Park in der Betonwüste São Paulos zunichte gemacht. Darüber hinaus würden diese Häuser den von Bo Bardi entworfenen Raum mit seiner Ausrichtung aufs Offene, nach Draußen de facto zerstören und damit auch die spezifische Form des in diesem Raum entwickelten Theaterspiels verunmöglichen.
Der (Rechts-)Streit über dieses Gelände zieht sich nun schon Jahrzehnte hin. Am achten Februar machte Santos den nächsten Schachzug und ließ den Hintereingang des Saals zumauern. Es ist eine seltsame Wand. Denn sie steht auf dem Boden, der Silvio Santos gehört. Aber sie berührt zugleich das Gebäude des Theaters, was unter dessen Denkmalschutz nicht rechtens ist. Das bedeutet, dass ihre Errichtung zwar mindestens teilweise illegal war, ihr Abriss aber zugleich auch nicht notwendigerweise legal wäre. An dieser Wand versinnbildlicht sich zugleich, wie schwierig es immer wieder ist, für etwas so flüchtiges und fragiles wie ein Theater einzutreten, dass sich nicht hinter weiten Foyers und einer abkanzelnden Fassade versteckt.
Während unsere Kollegen in São Paulo also derzeit um ihr Theater und ihren Park kämpfen, können wir das seltene Glück feiern, ein neues Theater in einem Park zu eröffnen. Feiern Sie am 30. April mit uns.
NIE Theater (Julius Böhm, Julia Boxheimer, Yelikha Camara, Andrew Clarke, Laura Eichten, Thomas Felletschin, Jonathan Frisch, Jakob Gerber, Katharina Grählert, Emmanuel Girondin, David Heim, Vincent Kadus, Sebastian Kucks, Sophia Lietsche, Josephine Nahrstedt, Thea Rasche, Christoph Reinhardt, Hannah Rumstedt, Lenna Stam, Katharina Tönsmann, Niels Willberg)
mit freundlicher Unterstützung des Straßen- und Grünflächenamts Friedrichshain-Kreuzberg
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